7 Anlagefehler, die sich vermeiden lassen

Geld anlegen ist dank vieler Tools und öffentlich zugänglichen Informationen leichter machbar als früher. Das birgt Risiken. Daniel Rösch, Leiter Investment Center der DC Bank, über Anfängerfehler und wie man Stolperfallen vermeidet.

Es braucht keine Zauberschule wie bei Harry Potter. Geld anlegen ist keine Magie und heute so niederschwellig, dass jeder auch mit wenig Kapital von den Kräften der Märkte profitieren kann. Allerdings kann man viel falsch machen, gerade weil es leicht erscheint, sein Geld zu investieren, anstatt es auf dem Sparkonto versauern zu lassen.

«Das täuscht», sagt Daniel Rösch, Leiter Investment Center der DC Bank. «Es braucht neben Fachwissen über Markt und Produkte auch viel Selbstbeherrschung.» Was er damit meint: Anlegerinnen und Anleger handeln oft emotional und verhalten sich entgegen der Erwartung. «Es braucht zudem ein Gespür für Marktbewegungen», erläutert er. Aus seiner Erfahrung kann einiges falsch laufen. Sieben Fehler, die sich mit einer klaren Anlagestrategie und professioneller Unterstützung vermeiden lassen. Und wer sich fragt, ob er bereits bereit ist, sein Geld anzulegen, findet am Ende des Artikels einen kurzen Selbsttest.

Zu spät beginnen

Laut einer Studie der Hochschule Luzern legen in der Schweiz mehr als die Hälfte der Personen ihr Geld nicht an, weder im freien Vermögen noch in der gebundenen Vorsorge (Säule 3a) oder beim Kapitalbezug aus der Pensionskasse. Einer der wichtigsten Gründe ist Verlustangst. Damit verschenken sie Potenzial: Die durchschnittliche historische Jahresrendite von Aktien liegt bei 8 Prozent. Auf Sparkonten fallen die Erträge langfristig deutlich tiefer aus. Mit der Unterstützung von Eltern oder Grosseltern kann bereits in jungen Jahren mit dem Geld anlegen begonnen werden. Schon mit 50 Franken pro Monat kann man langfristig ein beachtliches Vermögen aufbauen.

Risikoprofil falsch aufsetzen

Viele Anlegerinnen und Anleger schätzen ihre Risikobereitschaft anders ein, als sie in der Praxis tatsächlich ist. Genau hier hilft ein Beratungsgespräch: Gemeinsam wird geklärt, welche Schwankungen man aushalten kann und welche Ziele man mit dem Vermögen verfolgt. Wer höhere Renditechancen nutzen möchte, muss auch mit zwischenzeitlichen Verlusten umgehen können. Das Unterschätzen von Risiken gehört zu den häufigsten Anfängerfehlern, ebenso die Fokussierung auf die Rendite.

Kosten und Gebühren ignorieren

Kosten werden im Anlagegeschäft oft unterschätzt. Was nach wenig klingt, kann sich über die Jahre summieren. Bereits 1% höhere Kosten pro Jahr reichen aus, um den Zinseszinseffekt spürbar zu dämpfen. Deshalb lohnt es sich, auf den «Best-in-Class-Ansatz» zu setzen. Dabei handelt es sich um Anlagelösungen, die unabhängig vom Anbieter ausgewählt werden und in ihrer Kategorie durch Qualität, Kosten und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis hervorstechen. Generell fallen Produkt-, Handels- und Depotkosten an. Weitere Kosten wie Wechselkursmargen oder versteckte Gebühren in strukturierten Produkten sind nicht leicht zu erkennen. Eine Beratung hilft dabei, die Gesamtkosten einer Anlage transparent zu machen und verschiedene Angebote besser zu vergleichen.

Alles auf eine Karte setzen

Auf eine einzelne Aktie, Branche oder Anlagethema zu setzen, kann verlockend sein. Wer sein Portfolio nicht diversifiziert, geht jedoch ein sehr hohes Risiko ein. Entscheidend ist ein Anlagemix (Diversifikation), der zum persönlichen Risikoprofil und zum Anlageziel passt. Dabei spielen insbesondere die Aufteilung und Zusammensetzung des Aktienanteils eine wichtige Rolle.

In Panik verkaufen

Die frisch gekaufte Aktie verliert stark an Wert? Das verunsichert viele Anlegerinnen und Anleger und führt oft zu irrationalen Handlungen. Dabei gehören Schwankungen an den Finanzmärkten schon immer dazu. Wer mit einem langen Anlagehorizont (> 10 Jahre) und einem klaren Ziel investiert, sollte kurzfristige Verluste verdauen können, sofern die Qualität des Anlagevehikels stimmt.
Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat dieses Verhaltensmuster untersucht. Bei gröberen Marktbewegungen treten Panikverkäufe bis zu dreimal häufiger auf. Und fast ein Drittel der Anlegerinnen und Anleger realisiert starke Verluste, weil sie danach nie mehr in riskantere Anlagen zurückkehren.

Zu oft kaufen und verkaufen

Ein Bauchgefühl. Eine Schlagzeile. Ein Kollege, der von einer Aktie schwärmt. Ein Influencer, der einen Titel oder ein Thema empfiehlt. Oft finden Käufe und Verkäufe ganz spontan statt, statt einer klaren Anlagestrategie zu folgen. Das kostet Geld und Nerven, denn jeder Kauf oder Verkauf verursacht Gebühren und teilweise auch Steuern. Eine bekannte Börsenweisheit besagt: Ewiges Hin und Her macht die Taschen leer. Bei vielen kleinen Transaktionen kommt rasch eine beachtliche Summe zusammen.
Wer so handelt, trifft Anlageentscheide emotional statt rational. Das ist im Anlagegeschäft nicht sinnvoll. Die Angst, etwas zu verpassen, führt nicht selten zu Fehlentscheiden. Wer ausserdem zu lange aus dem Markt aussteigt, verzichtet auf attraktive Börsentage, die einen bedeutenden Teil der langfristigen Rendite ausmachen.

Steuern und Vorsorge ignorieren

Anlageentscheide haben Auswirkungen auf Steuern und Vorsorge. Diese Aspekte sollten mitberücksichtigt werden, denn nur so werden die zahlreichen Finanzinstrumente vergleichbar. Je nach Kanton und Vermögenshöhe führt das zu einer geringeren Nettorendite. Es braucht zudem Vernunft und Disziplin beim Einzahlen in die steuerlich begünstigten Vorsorgelösungen (bspw. Säule 3a) und bei der Realisierung der Kursgewinne. Sonst drohen unter Umständen unnötige Steuerlasten. Wer die drei Themen (Geldanlage, Vorsorge und Steuern) zusammen betrachtet, erhält ein vollständigeres Bild seiner finanziellen Situation und vermeidet negative Überraschungen.

Couple sitting at home managing personal finance, reviewing bills and documents, planning expenses, and saving money in a piggy bank on the kitchen table
Eine klare Anlagestrategie und regelmässige Überprüfungen bilden die Grundlage für langfristigen Anlageerfolg.

Viele Anlagefehler entstehen nicht aus fehlendem Wissen, sondern aus Unsicherheit, Ungeduld oder falschen Erwartungen. Wer früh beginnt, die eigene Risikobereitschaft kennt und einer klaren Anlagestrategie folgt, schafft gute Voraussetzungen für den erfolgreichen Vermögensaufbau.

3 Fragen an

«Überhaupt anfangen ist wichtiger als der Zeitpunkt»

Den perfekten Zeitpunkt für den Einstieg ins Anlegen gibt es nicht. Daniel Rösch, Leiter Investment Center der DC Bank, über typische Fehler und Missverständnisse.

Interview: Bruno Habegger

Welchen Anfängerfehler haben Sie in jungen Jahren gemacht und wie haben Sie ihn korrigiert?
Als junger Anleger habe ich zeitweise geglaubt, mit der Auswahl einzelner Titel den Markt schlagen zu können. Rückblickend habe ich dabei die Bedeutung einer breiten Diversifikation unterschätzt. Heute weiss ich: Der langfristige Anlageerfolg hängt viel stärker von einer zielgerichteten Anlagestrategie, einer guten Risikostreuung und der nötigen Geduld ab, als vom «perfekten» Einzeltitel. Investieren ist verlässlicher als Spekulieren.

Welches sind aus Ihrer Erfahrung die drei gängigsten Missverständnisse im Zusammenhang mit dem Anlegen?
Drei Sätze habe ich oft gehört. Erstens: «Ich brauche den perfekten Einstiegszeitpunkt.» Viele warten auf den idealen Moment und investieren deshalb gar nie. Oft ist es wichtiger, überhaupt anzufangen und langfristig investiert zu bleiben. Das zweite Missverständnis ist, dass eine hohe Rendite ohne Risiko anvisiert wird. Meine Meinung: Rendite und Risiko gehören zusammen. Wer langfristig höhere Ertragschancen möchte, muss gewisse Schwankungen akzeptieren. Der dritte Satz ist: «Diversifikation schmälert die Rendite.» Das Gegenteil ist meist der Fall. Eine breite Streuung reduziert Risiken und erhöht die Wahrscheinlichkeit, langfristig erfolgreich zu sein. Diversifikation ist einer der wichtigsten Grundsätze beim Investieren.

Warum bleibt Investieren auch in Zukunft attraktiver als das Sparkonto?
Ein Sparkonto sorgt für Sicherheit und Liquidität. Ein individueller Grundstock ist vernünftig und sorgt für Ruhe und Gelassenheit. Für den langfristigen Vermögensaufbau reicht das indes oft nicht aus. Wer vor 20 Jahren CHF 100’000 auf dem Sparkonto liegen liess, hat heute zwar etwas mehr Geld. Wer dieselbe Summe breit investiert hat, konnte sein Vermögen deutlich vermehren. Der Grund dafür ist einfach: Unternehmen schaffen Werte, entwickeln Innovationen und erwirtschaften Gewinne. Als Anlegerin und Anleger beteiligt man sich an dieser Wertschöpfung. Deshalb bleibt eine gezielte Geldanlage auch in Zukunft ein zentraler Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau.

Sparkonto (0.1% Zins pro Jahr) Wert nach 20 Jahren ca. CHF 102’000
Diversifiziertes Anlageportfolio (3% bis 5% Rendite pro Jahr) Wert nach 20 Jahren ca. CHF 165’000 bis CHF 265’000

Selbsttest: Bin ich bereit fürs Anlegen?

Stellen Sie sich vor dem Beratungsgespräch folgende Fragen. Zählen Sie die Punkte zusammen.

  1. Habe ich Geld, das ich investieren kann, ohne es kurzfristig zu benötigen, und verfüge ich über ausreichende Reserven?
    0 Punkte: Nein, ich brauche mein ganzes Geld in den nächsten Monaten.
    1 Punkt: Teilweise, aber ich habe noch nicht genügend Reserven.
    2 Punkte: Ja, meine Reserven sind ausreichend und das investierte Geld brauche ich langfristig nicht.
  2. Kenne ich mein Anlageziel?
    0 Punkte: Nein, ich will einfach reich werden.
    1 Punkt: Ungefähr, aber Betrag und Zeitraum sind offen.
    2 Punkte: Ja, Ziel, Zeitraum und Risikobereitschaft sind klar.
  3. Kann ich zwischenzeitliche Verluste aushalten?
    0 Punkte: Nein, ein Minus würde mich stark verunsichern.
    1 Punkt: Nur wenn ich weiss, warum es passiert.
    2 Punkte: Ja, Schwankungen gehören für mich dazu. Das kann ich aushalten.
  4. Verstehe ich die wichtigsten Kosten und Risiken?
    0 Punkte: Nein, ich schaue vor allem auf die Rendite.
    1 Punkt: Teilweise, ich kenne einige Begriffe.
    2 Punkte: Ja, ich frage nach Gesamtkosten, Risiko und Nettorendite und bevorzuge Best-in-Class-Produkte.
  5. Habe ich eine klare Anlagestrategie und/oder lasse ich mich beraten?
    0 Punkte: Nein, ich würde mein Geld nach Gefühl anlegen.
    1 Punkt: Teilweise, ich habe Ideen, aber keinen Plan.
    2 Punkte: Ja, ich habe eine Anlagestrategie oder lasse mich beraten.

Auswertung

0-3 Punkte: Sie sind noch nicht bereit. Klären Sie zuerst Ihre finanziellen Reserven, Ihr Anlageziel und Ihr Risikoprofil.

4-7 Punkte: Sie sind teilweise bereit. Ein Gespräch mit Ihrem DC-Bank-Berater hilft, offene Punkte sauber zu ordnen.

8-10 Punkte: Sie sind gut vorbereitet. Jetzt geht es im Beratungsgespräch darum, Anlagestrategie, Produkteauswahl und Kosten zu prüfen. Gerne unterstützen wir Sie dabei.

Geldanlage mit Verantwortung und Weitblick

Wir tragen Sorge zu Ihrem Vermögen und verwalten es mit Verantwortung.

Disclaimer

Dieser Blogartikel dient ausschliesslich zur Information. Es ist weder Angebot noch Aufforderung für den Kauf oder Verkauf von Produkten. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen.

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