Halbzeit im Anlagejahr: Stimmt die Aufstellung noch?

Die erste Halbzeit ist gespielt. Immer noch kein Tor gefallen. Der Coach setzt zur Motivationsrede an … In der Finanzplanung ist es ähnlich. Nur dauert eine Halbzeit nicht 45 Minuten, sondern sechs Monate. Zeit für eine Standortbestimmung.

Die erste Halbzeit ist gespielt: Die Aufstellung war bewusst defensiv gewählt, das Risiko entsprechend begrenzt. Das Spiel verlief ruhig und kontrolliert. Jetzt ist Pause – und die zweite Halbzeit scheint aufregender zu werden. Einzelne hoch bewertete Unternehmen wie SpaceX, OpenAI oder Anthropic wirken dabei wie Superstars, die zur Einwechslung bereitstehen. Der Impuls, sofort umzuschichten und stärker ins Risiko zu gehen, ist verständlich. Doch wie im Fussball gilt: Eine Einwechslung allein entscheidet kein Spiel. Entscheidend ist, dass die gesamte Aufstellung stimmt.

Die Jahresmitte eignet sich gut, um die eigene Anlagestrategie zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen, vorausgesetzt, es haben sich wesentliche Dinge geändert. Was die erwähnten Superstars zur möglichen Einwechslung angeht: Auch sie verlieren Spiele. Der Bekanntheitsstatus allein schiesst keine Tore. Das gilt auch an der Börse. Viele dieser Unternehmen schreiben weiterhin Verluste und werden von Marktteilnehmenden sehr hoch bewertet (siehe Interview mit Daniel Rösch). Zudem ist der Zugang für private Anleger oft eingeschränkt, und ein Einstieg ist häufig mit höheren Kosten verbunden. Ein Einstieg würde für viele einen deutlichen Strategiewechsel bedeuten – und dieser ist nur selten sinnvoll.

Eine stabile Aufstellung zählt langfristig

Zur Halbzeit lohnt sich ein nüchterner Blick auf das eigene Portfolio: Stimmen Aufstellung, Risiko und Zeithorizont noch mit den persönlichen Zielen überein?

Im Zentrum steht eine klare Struktur aus Risiko, Diversifikation, Liquidität und Zeithorizont. Sie sorgt dafür, dass das Portfolio über die gesamte Spielzeit hinweg tragfähig bleibt – auch wenn sich Marktbedingungen oder persönliche Lebensumstände verändern. Wer eine Immobilie erwerben will, hat andere Anforderungen als jemand am Anfang der beruflichen Laufbahn. Auch Ereignisse wie eine Heirat, ein Karriereschritt oder grössere Anschaffungen beeinflussen die taktische Ausrichtung.

Hinzu kommt: Die Märkte verändern die Gewichte im Portfolio laufend. Läuft eine Anlageklasse besser als andere, verschiebt sich die Aufstellung – und damit auch das Risiko. Oft geschieht das schleichend.

Die richtige Aufstellung bleibt auch an der Börse der Schlüssel zum Erfolg.

Frische Kräfte einwechseln

Zeigt die Standortbestimmung im Beratungsgespräch Anpassungsbedarf, wird die Aufstellung gezielt nachjustiert – vergleichbar mit taktischen Anpassungen in der Pause. In der Anlagepraxis entspricht das dem sogenannten Rebalancing. Dabei werden die durch Marktbewegungen entstandenen Verschiebungen korrigiert, sodass das Portfolio wieder innerhalb der definierten Vorgaben spielt. Stark gewordene Positionen werden reduziert, schwächere gezielt verstärkt.

Für jede Anlageklasse werden klare Zielgewichte festgelegt – gewissermassen die Positionen auf dem Feld. Gleichzeitig werden die eingesetzten Instrumente überprüft und bei Bedarf angepasst oder ergänzt. Für Kundinnen und Kunden ist der Aufwand gering. Sie sollten sich für die Halbzeitbilanz bewusst machen, was sich seit dem letzten Gespräch mit der DC-Bank-Beratung verändert hat: Ist das Ziel noch dasselbe, bleibt der Anlagehorizont unverändert und entspricht die Risikobereitschaft weiterhin der gewählten Strategie? Zu den wichtigen Veränderungen im Leben, die beim Rebalancing berücksichtigt werden, zählen:

  • Neue Einnahmen wie Erbschaften, Boni, Beförderungen oder Gewinne
  • Neue Ausgaben, z.B. für Bildung, Auto oder Renovationen
  • Aktueller Liquiditätsbedarf
  • Cashflows

Die DC Bank wird nach Klärung der aktuellen Situation – je nach gewählter Anlagelösung  – das Rebalancing vornehmen und bei Bedarf auch die Strategie sowie die Aufstellung anpassen. Kundinnen und Kunden verfolgen das Spiel der Märkte von der Seitenlinie aus – und mit der richtigen Aufstellung fallen auch künftig die entscheidenden Tore.

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Eine klare Anlagestrategie und regelmässige Überprüfungen bilden die Grundlage für langfristigen Anlageerfolg.

Kurzinterview

«Mega-IPOs sind keine stabilen Bausteine»

Daniel Rösch, Leiter Investment Center & Investment Consultant der DC Bank über die Notwendigkeit des Halbzeitchecks.

Interview: Bruno Habegger

Daniel Rösch, warum sind gewichtige Börsengänge wie SpaceX in der Kundenberatung nicht unbedingt ein Thema?

Sie sind spannend, aber für viele Anleger ungeeignet: Der Zugang ist oft eingeschränkt, und ein grosser Teil der Wertentwicklung findet vor dem Börsengang statt. Bei SpaceX wäre zudem nur ein kleiner Teil der Aktien frei handelbar, was Kurse stärker verzerren kann. Über Aktien mit unterschiedlichen Rechten behält Elon Musk die Kontrolle, Minderheitsaktionäre haben wenig Einfluss. Als stabiler Baustein in einem breit diversifizierten Portfolio eignen sich solche Titel selten.

Die DC Bank bietet mit der Vermögensberatung, Vermögensverwaltung und Ausführungsauftrag drei verschiedene Anlagelösungen an, mit mehr oder weniger Mitbestimmung. Warum ist das Kundengespräch so wichtig?

Das Kundengespräch ist zentral, weil die drei Anlagelösungen der DC Bank sich genau in einem Punkt unterscheiden: im Grad der Mitbestimmung und damit in der Verantwortung des Kunden. Das Kundengespräch ist entscheidend, weil nur so verstanden werden kann, wie stark sich ein Kunde selbst einbringen möchte und wie viel Verantwortung er abgeben will. Je nach Präferenz – von eigenständigen Entscheiden bis hin zur vollständigen Delegation – braucht es unterschiedliche Lösungen. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass die gewählte Strategie wirklich zur Risikobereitschaft, zum Anlagehorizont und zu den Zielen des Kunden passt.

Warum ist «Anlegen und vergessen» nicht die beste Strategie? Für wen ist diese noch geeignet?

Ein Portfolio entwickelt sich mit der Zeit unterschiedlich – wenn man es nie überprüft, kann sich die ursprüngliche Struktur unbemerkt verschieben und das Risiko steigt oder sinkt, ohne dass es zum Kundenprofil passt. Regelmässige Anpassungen helfen, die Strategie über die Zeit stabil und zielgerichtet umzusetzen. «Anlegen und vergessen» hingegen kann für Kunden sinnvoll sein, die sehr langfristig investieren, wenig Zeit oder Interesse haben und auf eine einfache, breit diversifizierte Lösung setzen. Wichtig ist aber auch hier, dass zumindest periodisch überprüft wird, ob die Anlage weiterhin zur persönlichen Situation passt.

Warum ist ein Halbjahresrhythmus ideal für einen Zwischencheck?

Eine halbjährliche Überprüfung ist aus Beratungssicht ideal, weil sie genug Zeit für relevante Veränderungen lässt – aber noch früh genug ist, um gezielt zu reagieren. Innerhalb von sechs Monaten können sich sowohl Märkte als auch die persönliche Situation spürbar verändern.

Welche Abweichungen beobachten Sie typischerweise?

Bereits nach einigen Monaten können sich einzelne Anlageklassen deutlich unterschiedlich entwickeln, sodass sich die ursprüngliche Struktur verändert. Typischerweise entstehen dabei Abweichungen von rund 5 % oder mehr, und in ausgeprägten Marktphasen kann z. B. ein Aktienanteil von 60 % rasch auf 70 % oder mehr steigen. Ohne Anpassung passt das Portfolio dann nicht mehr zum ursprünglich definierten Risiko- und Renditeziel – weshalb ein regelmässiges Nachjustieren sinnvoll und notwendig ist, um die Strategie konsequent umzusetzen.

Checkliste fürs Rebalancing

  • Prüfen Sie Ihre Ziele: Zeithorizont, Liquiditätsbedarf, grosse Vorhaben (Immobilie, Ausbildung, Familie, Anschaffungen, Pensionierung).
  • Gleichen Sie Ihr Risikoprofil ab: Schwankungs- und Verlusttoleranz sollte zur finanziellen Situation passen.
  • Analysieren Sie die Gewichtung der Anlageklassen (Aktien, Obligationen, Immobilien, Cash) und vergleichen Sie diese mit der ursprünglichen Aufteilung.
  • Definieren Sie gemeinsam mit der DC-Bank-Beratung die Zielgewichte und legen Sie fest, wann Anpassungen erfolgen sollen.

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Dieser Blogartikel dient ausschliesslich zur Information. Es ist weder Angebot noch Aufforderung für den Kauf oder Verkauf von Produkten. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen.

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