Vorsorge ist ein uraltes Prinzip: Tiere legen Vorräte an, um karge Zeiten zu überstehen – und der Mensch sorgt seit Urzeiten vor, mit Nahrung oder Geld. In den meisten Kulturen war Vorsorge lange Privatsache. Grosse Familien, starke Gemeinschaften und gegenseitige Unterstützung bildeten die Basis für Sicherheit im Alter. Dieses Prinzip galt über Jahrhunderte auch in der Schweiz.
Vorläufer der Sozialversicherungen
Die ersten organisierten Formen der heutigen Sozialversicherungen entstanden in Berufs- und Hilfskassen, etwa für Bergleute oder zur Finanzierung der eigenen Beerdigung. Bereits im 16. Jahrhundert existierten in der Schweiz sogenannte «Sterbekassen» – lokale Vorsorgeformen gegen finanzielle Risiken im Todesfall. Sie entwickelten sich zu lokalen Sozialversicherungen weiter.
Eine frühe Form der Altersvorsorge waren Leibrentenverträge: Wohlhabende leisteten eine Einmalzahlung und erhielten dafür eine jährliche Rente zwischen 8 und 12 Prozent. Das einbezahlte Kapital nutzten Städte wiederum zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben.
Einen entscheidenden Schritt markierten die 1880er Jahre. Im Deutschen Reich entstand die moderne Sozialversicherung, die rasch zum Vorbild für andere Länder wurde – auch für die Schweiz. Erstmals wurden Leistungen nicht mehr vom individuellen Bedarf abhängig gemacht, sondern als Rechtsanspruch gewährt.
Durchbruch nach dem Krieg
In der Schweiz markieren zwei Ereignisse die zentralen Meilensteine der Altersvorsorge:
- 1947: Die Einführung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) als erste Säule.
- 1985: Inkrafttreten des Obligatoriums der beruflichen Vorsorge (BVG) als zweite Säule.
Die dritte Säule, das freiwillige private Ansparen, blieb weiterhin Domäne der Banken und Versicherungen.
Vorsorge unter Druck
Zum Start der AHV betrug die Minimalrente 40 Franken – und etwas hat sich bis heute nicht geändert: Die AHV sichert die Grundexistenz, nicht den gewohnten Lebensstandard. Eine umfassende Altersvorsorge war sie von Anfang an nicht. Erst mit der Einführung der obligatorischen beruflichen Vorsorge entstand eine zweite tragende Säule, die den Lebensstandard im Alter mitabsichern sollte. Daran ändert auch die Einführung der 13. AHV-Rente nichts – zumal ihre langfristige Finanzierung weiterhin offen ist.
Heute geraten alle drei Säulen zunehmend unter Druck. Die Bevölkerung altert, während die Geburtenrate sinkt. Erwerbsbiografien werden unsteter, und neue Technologien wie KI und Digitalisierung verändern die Arbeitswelt nachhaltig. Zwar erzielte der AHV-Ausgleichsfonds zuletzt dank guter Börsenentwicklung positive Ergebnisse, doch die langfristige Finanzierung der Renten in der ersten Säule bleibt ungewiss. Gemäss Bundesamt für Sozialversicherungen droht der AHV im Jahr 2030 ein Umlagedefizit von rund 1,9 Milliarden Franken, bis 2040 sogar von 3,4 Milliarden Franken.
Die staatliche Vorsorge wird mit neuen Reformvorhaben (AHV2030) immer komplexer – und Sparbemühungen des Bundes drohen die Vorsorge zusätzlich zu schwächen. Seit Längerem zeichnet sich deshalb ab: Die Gewichte verschieben sich hin zur privaten Vorsorge. Wer sich frühzeitig mit der eigenen finanziellen Situation im Alter auseinandersetzt, stärkt den persönlichen Eigenschutz.
Privatkundenberater Diego Wüthrich gibt im Kurzinterview (siehe unten) konkrete Tipps.
Neuerungen in den drei Säulen
- 13. AHV-Rente: Ab Ende 2026 erhalten Rentnerinnen und Rentner automatisch eine 13. Rente. Sie müssen dazu nichts unternehmen. Die Auszahlung erfolgt automatisch.
- Rentenalter der Frauen: Das AHV-Alter wird schrittweise auf 65 Jahre erhöht.
- Säule 3a: Eine nachträgliche Einzahlung ist 2026 erstmals möglich, falls der maximale Einzahlungsbetrag im Jahr 2025 nicht ausgeschöpft wurde.
Kurzinterview
mit Diego Wüthrich
«Die Komplexität der Materie nicht unterschätzen»
Privatkundenberater Diego Wüthrich über den richtigen Umgang mit den Herausforderungen des Vorsorgesystems.
Interview: Bruno Habegger
Haben Sie auch den Eindruck, dass die Finanzierung der Staatsausgaben und die Instrumente der Vorsorge immer komplexer werden?
Diego Wüthrich: Die Finanzierung der 1. Säule ist ein politisches Thema. Es zirkulieren viele Ideen, aber es gibt keine schmerzfreien Lösungen. Wie immer braucht es Kompromisse von allen Seiten. Diese Diskussion ist in der Tat sehr komplex und für viele kaum noch nachvollziehbar. Selbst wenn eine mehrheitsfähige Lösung gefunden wird, ist sie oft schon wieder überholt. Denn viele Vorschläge bekämpfen eher Symptome als Ursachen – und so werden die Herausforderungen nicht kleiner.
Ist das Drei-Säulen-Modell gefährdet?
Diego Wüthrich: Das Vorsorge-Modell der Schweiz ist gesellschaftlich akzeptiert und bleibt eine sehr gute Basis. Künftig werden sich die Gewichte zwischen den einzelnen Säulen jedoch weiter verschieben – hin zu mehr Eigenverantwortung und Selbstvorsorge.
Kann man sich in Sachen Vorsorge noch auf den Staat verlassen?
Diego Wüthrich: Ich glaube an unseren Staat und daran, dass auch ich bei meiner Pensionierung noch eine AHV erhalten werde. Möglicherweise nicht in 23, sondern erst in 25 oder 30 Jahren. Damit kann ich leben und dies wäre gar wünschenswert, weil es der demographischen Entwicklung entspricht.
Wichtig ist mir, dass auch kommende Generationen eine staatliche Rente erhalten, für die sie ein Leben lang einbezahlt haben. Ein gewisses Mass an staatlich organisierter Vorsorge braucht es deshalb weiterhin. Trotzdem bleibt jede und jeder in erster Linie seines eigenen Glückes Schmied und ist gut beraten, ein Leben lang an seiner persönlichen Vorsorgesituation zu arbeiten.
Welchen Rat geben Sie, das Thema richtig anzupacken?
Diego Wüthrich: Vorsorgen ist keine Frage von Einkommen oder Vermögen. Jede und jeder kann im Rahmen der eigenen Möglichkeiten etwas tun. Entscheidend ist, sich nicht von der Komplexität der Materie entmutigen zu lassen.
Genau hier kommen wir als Bank ins Spiel: Wir bieten für vermeintlich komplizierte Fragestellungen einfache, verständliche Lösungen – und nehmen uns Zeit für persönliche Gespräche.
Kann man heute noch selbst den Überblick über die Entwicklungen im Vorsorgesystem behalten?
Diego Wüthrich: Das sollte gar nicht der Anspruch sein. Es schadet sicher nicht, wenn man die Grundlagen des Drei-Säulen-Modells versteht und ein Bewusstsein dafür hat, dass die private Vorsorge immer wichtiger wird. Entscheidend ist, das Heft selbst in die Hand zu nehmen.
Das Gespräch mit der Bank ist dabei oft der nächste logische Schritt. Wir bleiben für unsere Kundinnen und Kunden am Ball, kennen die Entwicklungen im Vorsorgebereich und begleiten sie von Anfang an. Auch wenn jemand noch keinen konkreten Plan hat – wir helfen, einen zu entwickeln.
Unser Experte
Diego Wüthrich
Funktion: Privatkundenberater Premium
Bei der DC Bank seit: 2015
Berufserfahrung: 20 Jahre im Anlage- und Vorsorgegeschäft
Persönliches Motto: «Family first»
Hobbies: Fussball, Tennis, Lateinamerikanische Tänze
Lieblingsort in Bern: Ben’s Bio Grill am Bärenplatz
Privat: Verheiratet, Vater von zwei Söhnen
Geboren: 1984 in Bern
Diego Wüthrich
Funktion: Privatkundenberater Premium
Bei der DC Bank seit: 2015
Berufserfahrung: 20 Jahre im Anlage- und Vorsorgegeschäft
Persönliches Motto: «Family first»
Hobbies: Fussball, Tennis, Lateinamerikanische Tänze
Lieblingsort in Bern: Ben’s Bio Grill am Bärenplatz
Privat: Verheiratet, Vater von zwei Söhnen
Geboren: 1984 in Bern
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